Beobachtungen – Klanxbüll

Am Bahnsteig unter dem Dach eines Wartehäuschens im Regen.

Handy klingelt. Der Klingelton erinnert an die russische Nationalhyme.

“Chaloo?” Der Akzent bestätigt meine Vermutung. “Ja, isch bin hierr grrade uf de Bahnhoff. Ja. Ja. Sag sccchnel mein zuch koommt gleisch. ja. schnell. gleisch ist hier laut geräusch weißt du?” Das Gespräch zieht sich doch länger hin als sie möchte. Sie wird noch hektischer als “Auf Gleis zwei fährt ein; der Regionalexpress Richtung Husum. Bitte zurücktreten” in typisch Monotoner Deutsche-Bahn-Stimmen-Manier ertönt. “Jaa.. weiß’ du? Isch muss hi… Sag schnell, gleich ist’ hier laut und ich hör nix!” Der Zug ist noch lange nicht in Sicht, trotzdem steigert sie sich in ein Geschrei, so laut, dass alle – Es ist 20 Uhr, dunkel, nass, ausser mir und ihr befindet sich nur noch eine weitere Person auf dem Bahnsteig – verstehen was sie in ihr Mobiltelefon ruft. “Jaah. Ruf misch am besten an auf meine Handy. Weiß du? Wenn isch nicht gleich an Handy bin ruf gleisch nochma’hl an. Weiß du.. wenn isch auf…, oder in eine andere Zimmer, oder auf Klo bin dann kan’ isch nich so schnell an die Handy. Ruf zweimal an dann ok?” Ihre Aussprache erinnert mich teilweise auch an “Glünen Tee” nachdem sie mehrere Male “übelhaupt” u.ä. sagt. Dann bemerkt man, man befindet sich in Nordfriesland. Sie kommt plötzlich runter von ihrem stressigen Telefonierstil und meint “Mein Zu’k ist noch nich da wir kööhnen noch ein wenik schnaacken!” Aber nicht mehr lange; er rollt ein, ist laut, bleibt mit quitschenden Bremsen stehen.

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