Modeerscheinungen bei 13jährigen

Mir fallen in letzter Zeit vor allem – etwa 13 Jahre alte – Mädchen auf, die besonders ‘hippe’ Kleidung tragen.
Darunter fällt beispielsweise das blöde tragen von Playboy-Accessoires.

Erst gestern in Husum wühlte sich eine ganze Horde von Mädchen durch das Regal mit Playboy-Artikeln eines Ramsch-Ladens. Zwar hat sich ein Mädchen, wie ich am rande mitbekam, nur ein Kissen (in Hasenform) und eine Schmuckdose gekauft, somit jedoch ihr gesamtes Taschengeld aus dem Fenster geworfen. Denn allein ein “Halsband mit Bunny-Emblem” (Plastikschnur mit kleinem Hasen in rosa) kostet stolze 49,90€.
Ein Badetuch mit dem berühmten Logo ist schon für schlappe 34,90€ und ein Parfüm (in einer Vollplastikverpackung und einem Geruch von “kleinem Feigling” – ich meins ernst, man könnte sich ebensogut mit einem Schnaps einschmieren!) für 29,90€ zu haben.
Dass das einramschen des Kinderzimmers mit Playboy-Artikeln mit dem tragen von Rosa Kleidung einher geht, geht fast an mir vorbei.

Warum diese Begriffsstutzigen Mädel nicht verstehen, dass der “Playboy” ein Herrenmagazin ist, welches dem einzigen Zweck nachgeht den Leser ‘anzumachen’ kann ich mir nur so erklären, dass sie noch nie ein Magazin dieser Firma in der Hand hielten und sich durch Sendungen wie “The Girls of the Playboy-Mansion” blenden lassen.

Im Oxford English Dictionary wird ein “Playboy” als „ein Mensch, besonders ein wohlhabender, der darauf aus ist, sich zu erfreuen“; „ein selbstsüchtiger Genusssucher“ definiert.
Der selbsternannte ‘letzte Playboy’ Rolf Eden sagte zum Playboytum:
„Ich bin einfach nur wirklich potent, wenn ich eben verschiedene junge Damen habe, und das ist für mich immer wieder interessant, die kleinen süßen Geschichten, die sie mir so erzählen, und was sie so bedrückt, was sie für kleine Sorgen haben. Und den Riesenspaß, den wir immer haben: Wir verreisen zusammen, wir gehen sehr oft aus. Ich versuche auch wirklich, die Damen zufrieden zu stellen, ich meine jetzt nicht sexuell nur, sondern vor allem auch kleine Schmuckstücke. Ich glaube Frauen muss man von oben bis unten jeden Tag verwöhnen und sie wirklich sehr happy machen.“
Brigitte Bardot über die kurze Ehe mit dem Playboy Gunter Sachs:
„Ich hatte nicht einen Mann allein geheiratet, sondern eine Sippschaft herumscharwenzelnder Playboys, die durch Komplizenschaft enger zusammengeschmiedet waren, als es eine Ehe je vermochte. In ihrem Leben fungierten die Frauen gewiss nicht als ‚Frau‘ im positivsten Sinne. Sie suchten sich schöne, junge und vorzugsweise dumme Gefährtinnen. Pech für Gunter! Da ich die letztgenannte Qualifikation nicht besaß, fiel ich ihm zunehmend lästig. Er playboyte herum, und ich stand ihm dabei im Wege!“

Als zweites Mode-Accessoire (Accessoire; ein Wort um das man kaum noch herum kommt) fielen mir die, in den 70er Jahren populären, “Palästinensertücher” auf.
Es waren wiederum zwei Mädchen in Husum die diesen ‘Trend’ aus den Kaufhäusern wie H&M u.ä. – tatsächlich habe ich ebenfalls in Husum die Palitücher als ‘Rockersatz’ an Kaufhauspuppen gesehen – auf die Straße brachten.

Das tragen der Kufiya, wie das Palituch eigentlich heißt, wird in Deutschland vor allem kritisiert, weil sie schon 1930 “zum einen als Symbol für Selbstbestimmung und gegen Kolonialismus sowie gegen die jüdische Besiedlung” verstanden wurde.

Wikipedia zur Kritik am Tragen der Kufiya in Deutschland:
“Abseits seiner eigentlichen politischen Bedeutung wird das Palästinensertuch in Deutschland in der Jugendkultur auch gerne als Modeaccessoire ohne unmittelbar politischen Symbolgehalt verwendet – die Kufiya hat somit Einzug in die linke oder vermeintlich linke Popkultur erhalten. Das Spektrum des mit dem Tragen des Schals verbundenen Ausdrucks reicht vom eher diffusen “Widerstand” bis hin zur Solidarisierung mit den Palästinensern.

Die Kufiya wird seit Ende der 1990er Jahre zunehmend auch von Neonazis (siehe z.B. die Freie Kameradschaften) getragen. Dies geschieht zum einen im Rahmen des Kopierens linker Symbole, das seit den späten 1990er Jahren häufig in der rechtsextremistischen Szene zu beobachten ist, ist aber andererseits auch Ausdruck einer antisemitsch motivierten Parteinahme für die Palästinenser im Nahost-Konflikt.

Insbesondere die antideutsche Linke und Teile der antinationalen Linken kritisieren das Tragen der Kufiya als Symbol des Kampfes gegen Israel.”

Hier noch ein weiterführender link aus dem Jahr 2004 mit dem Titel “Ist dir kalt oder hast du was gegen Juden?“.

Erst nach meiner Verwunderung, dass das Tragen des Palituchs wieder populär zu werden scheint, erkannte ich (an der Rosa Kleidung): das sind die beiden Mädchen die zusammen mit dem Pulk gerade noch vor dem Regal voll überteuerter Playboy-Artikel standen!

(Quellen: Wikipedia)

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Kommentare: : 4 Kommentare »

4 Responses to “Modeerscheinungen bei 13jährigen”


  1. 1 Keno Aug 9th, 2007 at 18:13

    Sehr geiler Artikel!

    der Trend der in Richtung emo geht ist ungefähr genau so schlimm :D
    Wie Katja sagt!
    Sich wie ein Emo zu kleiden doch einer zu sein ist schwer! :D

    mfg Keno

  2. 2 joerg Sep 5th, 2007 at 19:03

    also die assimilierung eines kapitalismuskritischen symbols (wie das palituches) durch den kapitalismus ist ja fast schon wieder eine politische aussage – eine der man sich stellen muss. die linke hat hierauf keine antwort gefunden.

    die ganze palituch = antisemitisch diskussion bringt in sofern nix, als dass trotz aller tollen argumente immer noch kinder hungern auf der welt. es gibt andere probleme.

  3. 3 May Nov 9th, 2007 at 19:46

    mittlerweile ist das tragen des besagten trends (palitücher) ja wieder “in”. ich besitze selber ein solches und wusste wie die meisten auch nicht, was es angeblich für eine politische bedeutung dahintersteckt.
    wollen jugendliche nicht schocken? natürlich, am besten durch mode und musik. viele sehen in diesen tüchern vielleicht eher eine verbindungsoffenheit gegenüber anderen religionen – hier dem judentum.
    geht das christentum nicht auf das judentum zurück? bei der erläuterung dessen bedarf es zu viel zeit. jeder verbindet etwas anderes – oder gar nix – mit dem tragen dieser tücher: kälteschutz, trend, solidarität gegenüber rechten oder nicht… ist doch nicht sooo wichtig. wenn man sich an die früheren trends erinnert, wie z.B. bauchfreie oberteile im winter, dann kann man doch froh sein, dass die kids heutzutage einigermaßen bekleidet (eingemummelt) zur schule gehen – niemanden interessiert dabei die bedeutung des palituchs. ich glaube nicht, dass anhänger des judentums das den jugendlichen krumm nehmen – man kann sich dabei auch in etwas hineinsteigern! belassen wir es dabei.
    mfg May

  4. 4 someone Mai 22nd, 2008 at 16:34

    An Hannes

    Ich find deinen Artikel echt hammer, denn ich bin mit dir einer Meinung. Die Jugend(nicht nur die Mädchen) denkt nicht über jegliche Bedeutung nach. Sie trägt, was gerade “in” ist. Vor ein par Jahren, als Araffat noch lebte hätte sich kein Mädchen und erst recht kein Junge sich sone Kufiya um den Hals geworfen. “Dann sieht man ja aus wie dieser hässliche Typi aus Palästina !”,würde ein Mädchen sagen.
    Die meisten Jugendlichen wissen nicht5s über die Bedeutung der Kufiya sowie die Siotuation in Palästina nichts. Ein Mädchen meinte aus einer achten eines !!!!!!!!!!!Gymnasiums!!!!!!!!! ,dass das Tuch für die Juden wäre, und nicht, dass dieses von den weniger intelligenten Selbsmordattentätern, sowie von den Palästinänsern und vielen Arabern getragen wird und somit sich gegen die Juden richtet.
    Ich(15 w) trage deshalb auch keines dieser Tücher, die aussehen wie Tischdecken und folge auch nicht dem momentan modernen Emo-trendt, der leider bei vielen Jungen Aufmerksamkeit weckt und die Jungen sehen so beschissen aus mit ihren Emofrisuren. Vorallem die Jungs werden immer fermininer und unterhalten sich darüber wer “schöner” von den beiden ist.Wer die schöneren Ohrringe hat, wer die bessere Frisur hat und wer sich von den Jungs besser schminkt.Und darüber unterhalten sich manche Jungen!!!!?!!!!?!!Der Playboytre3ndt ist wenigstens schon etwas zurückgegangen.

    tchao
    someone

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